"RAUHNACHT - 1985"

 
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Am Abend in der Kuchl saßen alle zusammen, während draußen der "Böhmische", ein eiskalter Sturm brauste. Es waren die Rauhnächte und natürlich wurde von diesen Gestalten der Rauhnacht erzählt. Von der "Hoberngoas", einem Schreckgespenst, das heimlich in der Nacht zu den Ziegen und Schafen schlich und diese melkte, das fliegen konnte und das mit spinnenartigen Füßen und Armen durch kleinste Ritzen zu greifen verstand und den Schlafenden mit feuchtkalter Hand um den Verstand brachte. Von der "Specht", die riesig und mit einem ewiglangen Schnabel ausgestattet das Blut in den Adern einfrieren konnte und vom "Zempara", ebenfalls einer vogelähnlichen Gestalt, aber männlich, die einem an Leib und Leben wollte. Dann ging man in die Schlafstube und solchermaßen gestärkt spukten Nachtmare, Totenvögel und andere Schattengeister durch die Träume. In der Nacht musste ich dringend auf´s Häusl, das sich damals nicht im Haus befand, sondern man musste hinaus, ums Haus rum, die Hoftüre öffnen und da stand das Abtritthäusl. Schlotternd vor Kälte mache ich mich auf den Weg, die knarzende Treppe hinunter, hinaus zur Haustüre zur Hoftüre hinein, Häusltür auf und endlich... Im Hof aber lebte eine Sau, die sich dort frei bewegen konnte. Aber was für eine Sau - zentnerschwer und boshaft. Kaum ist die Häusltür hinter mir zu, höre ich sie schon herangrunzen und sie legt sich prompt davor, so dass sich die Türe keinen Millimeter mehr bewegt. Gefangen im Häusl, um das der "Böhmische" pfeift und den Atem eingefriert. Ich stemme mich gegen die Türe - vergeblich. Ich rede der Sau gut zu - vergeblich. Ich weine vor Angst und Kälte, vor Wut und Zorn - die Sau weicht keinen Zoll. Erst meine Hilferufe lassen die Tante aufhorchen, die mich dann befreit.

 

 

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aktualisiert am 30.11.05 von Prof. M. Dinnes    -   © by Dinnes.net