"RAUHNACHT - 1985"

 
Bild 20

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Am frühen Morgen schnitt der Schinder den Hagner Stilz von seiner Rosspeitschen ab, an der er sich in einer Wetterfichte erhängt hatte. Der Stilz war Rossknecht und damit beauftragt, die acht Rösser seines Herrn, draußen auf der Waldweide zu beaufsichtigen. Als es dämmerte, wollte der Stilz mit den Rössern wieder nach Hause ziehen, zählte sie ab, aber so oft er auch zählte, er kam bloß auf sieben. Wieder fing er von vorn an - eins fehlte. So oft er zählte, so oft fehlte augenscheinlich eins der Pferde. Den Schweiß trieb es ihm aus allen Poren, eine unfassbare Wut erfasste ihn und dabei zählte und zählte er immer wieder. Aber es blieben sieben Pferde. Vor Wut und Verzweiflung erhängte sich der Hagner Stilz an seiner Peitsche. Er hatte vergessen das Ross mitzuzählen auf dem er saß. Noch heute existiert der "Stilzlacker" als Flurnamen.

 

 

 

Wenn man´s richtig anfängt, so kann man in der Metten- und der Neujahrsnacht die Tiere im Stall reden hören. Ein Fuhrknecht schlich sich um Mitternacht in den Rosstall und verbarg sich hinter dem Heuschober. Punkt Mitternacht begannen die Pferde zu reden. Eins sprach zum anderen davon, dass sie beide wohl noch in den nächsten Tagen eine schwere Fuhre hätten; dass sie den Fuhrknecht auf dem Totenbrettl auf den Friedhof kutschieren würden. Der Fuhrknecht erschrak zutiefst. Bereits zu "Drei König" kutschierte das Fuhrwerk zum nahen Friedhof, obenauf am Totenbrettl der Fuhrknecht.

 

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aktualisiert am 30.11.05 von Prof. M. Dinnes    -   © by Dinnes.net