"RAUHNACHT - 1985"

 
Bild 09

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Rauhnächte sind Schicksalsnächte. Einerseits lässt sich die Zukunft des Wetters, der Ernte erspüren, andererseits betrifft es das eigene Schicksalslos. Rauhnächte nennt man deshalb auch Losnächte (von herauslesen, Leslnacht). Eine junge Frau wollte durch derlei Beschwörungen wissen, wann und woher denn ein zukünftiger Gatte zu erwarten sei, auf den sie doch so sehnsüchtig und bisher erfolglos wartete. Es handelte sich dabei um ein bildschönes Mädchen. In der Thomasnacht tat sie ihren Spruch und das Bellen eines Hundes verriet ihr die Himmelsrichtung, aus der demnächst der Erwartete auftauchen würde. Nicht einmal ein Jahr später feierte das Mädchen Hochzeit mit einem Mann, der tatsächlich aus der versprochenen Richtung kam. Er war klein, bucklig und krumm.

Eines Winterabends kamen wir spät im Bauernhaus an. Es waren -24Grad Celsius und nachdem seit langem niemand mehr hier war, entsprach die Innentemperatur der Außentemperatur. Sofort wurde im Kachelofen Feuer gelegt, aber statt dass der Ofen zog wie gewohnt, verräucherte er das ganze Haus. Auf dem Kamin lag ein guter Meter Schnee. Mittlerweile war es finster und mit einer Leiter kroch ich das Dach hinauf und schaufelte mühsam den Kamin frei. Jetzt brannte das Feuer, aber es dauerte noch bis zum nächsten Tag, bis einigermaßen Wärme spürbar war.

 

 

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aktualisiert am 30.11.05 von Prof. M. Dinnes    -   © by Dinnes.net