"RAUHNACHT - 1985"

 
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Wo die Rauhnächte ihren Ursprung haben, vermag niemand zu sagen. Zu oft mussten diese Eigenheiten der eingesessenen Bevölkerung geheim gehalten werden. Die Gestalten der Rauhnacht bilden ein Konglomerat verschiedener Kulturkreise, so dass keine eindeutige Zugehörigkeit bestimmbar ist. Der Wald - und damit ist der Böhmerwald gemeint, war zudem ständigem Machtwechsel ausgesetzt. Die Angst vor Überfällen, Mordbrennern, durchziehenden Kriegsherren und dem Hunger war allgegenwärtig. im Wald brennt sich so etwas ins Gedächtnis ein und bleibt über Generationen erhalten. Meine Großmutter aus Plössberg vermittelte mir dementsprechend auch folgenden Abzählreim:

d´Schwedn san kuma, ham alles mitgnumma,                                                                  ham d´Fenster ei´gschlogn, ham´s Blei davou trogn,                                                          ham Kugeln draus gossen und d´Leit ham´s d´schossen

In einem Landstrich , in dem nach Jahrhunderten gezählt wird, der von Schmugglerwegen übersäht ist; in einem Land, das eigentlich dem Wald gehört, verwundert es nicht, wenn Begriffe Gestalt annehmen. Druden überfallen ihre Opfer im Schlaf, ersticken sie fast oder werfen sie in Alpträume. Elementargeister, wie der Rawuzl oder die Moosweibl´n sind allerorts. Die Rauhnächte haben wahrscheinlich deshalb am längsten überlebt, weil sie in der Fruchtbarkeitssymbolik die größte Rolle spielen. Die Zukunft wird vorausgesehen durch Werfen von Stöcken oder Pantoffeln über den Rücken. Die Richtung in die sie weisen, zeigt auch die Richtung, aus der der zukünftige Partner kommt. Ebenso wird die Witterung des kommenden Jahres vorausgesehen. Zukunft wird auch bestimmbar und im Brauch des Drei- Königs- Räucherns in Haus und Stall hat sich dies bis heute erhalten.

 

 

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aktualisiert am 30.11.05 von Prof. M. Dinnes    -   © by Dinnes.net