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Rauhnacht: von Altersher
bezeichnet dieser Begriff die Tage um den Jahreswechsel,
also dem jetzt gebräuchlichen Kalendarium. Es ist die Zeit, wo die
Nächte länger werden und führt hinüber in das neuerliche
Anwachsen des Tages. Mit der Dunkelheit beginnt das Reich von
Dämonen, von elementaren Spukgestalten, die das Schicksal der
Menschen bestimmen. Wer an diesen Schicksalsmächten rührt ist
ihnen unwiederbringlich verfallen, wer jedoch mit ihnen umzugehen
versteht, dem eröffnet sich ein kleines Fenster für zukünftiges
- die Grenze dazwischen besitzt keine feste Kontur. Ihrem
Ursprung nach regeln die Rauhnächte die Fruchtbarkeit bei Mensch,
Tier und Pflanzenwelt. Dazwischen liegen Tabuzonen, die
übergeordneten Größen zugedacht sind und in denen keinesfalls
gewisse Tätigkeiten vollzogen werden dürfen. Insofern hat sich
also seit Altersher wenig geändert und beim Silvesterfeuerwerk,
beim Bleigießen oder beim Ausräuchern an Dreikönig eröffnet sich
erneut dieses Fenster der Beschwörung. Die Rauhnächte gehören
also einem lebendigen Zeitrhythmus an, in dem der Mensch wesentlich
darauf angewiesen ist, in Sorgfalt mit dem umzugehen, was ihn
umgibt, ob Natur, Mensch oder die Zeit selbst. Viechtwang:
ein Bauernhaus, eine Einöde am Hang gelegen, umgeben von
Obstbäumen, ansonsten dichte Wälder. Gustl, der Besitzer, wohnt
nicht selbst dort, lebt in der Stadt und kommt auf Besuch, wenn
Dinnes hier wohnt und arbeitet. Viechtwang ist ein Waldlerhaus und
es ist geblieben was es ist - und das ist gut. Hier entsteht die
Serie der Rauhnachtbilder, hier in der Abgeschiedenheit, wo sich
Fuchs und Has´ "gut´ Nacht" sagen und hier stellt Dinnes
auch die Bezüge her zum Eintauchen in eine Welt, die formiert ist
nicht nur in der Kategorie der Maßstäbe des modischen. Dinnes
wirft sich buchstäblich hinein in den Zeitenfluss, begibt sich in
einen Sog, in dem alles treibt, sich gegenseitig umstrudelt und ab
und an ausgespuckt wird. Diese Orte des Auftauchens an die
Oberfläche definieren das einzelne Bild. Die Bezüge, die Dinnes
dem Bild zuweist, ankern an dem Punkt, der ihren Anfang bestimmt.
Ein Punkt ist ein Ort, ein Bild die Seele davon. Die Rauhnachtbilder
sind nicht Abbilder der Geschichten, die sich um diese Nächte der
Dämonen ranken, sie gesellen sich dazu, werden neu, wie sie immer
wieder neu werden müssen, weil nichts stehen bleibt, weil alles
wieder fortgestrudelt wird - ein Weltenschiff, das sich um und um
kehrt, mal oben, mal unten. |