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   "Die Rauhnacht - 1985"     -       "EinViechtwanger Welttheater"

Aus dem Archiv von Manfred G. Dinnes

 

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Rauhnacht: von Altersher bezeichnet dieser Begriff die Tage um den  Jahreswechsel, also dem jetzt gebräuchlichen Kalendarium. Es ist die Zeit, wo die Nächte länger werden und führt hinüber in das neuerliche Anwachsen des Tages. Mit der Dunkelheit beginnt das Reich von Dämonen, von elementaren Spukgestalten, die das Schicksal der Menschen bestimmen. Wer an diesen Schicksalsmächten rührt ist ihnen unwiederbringlich verfallen, wer jedoch mit ihnen umzugehen versteht, dem eröffnet sich ein kleines Fenster für zukünftiges -  die Grenze dazwischen besitzt keine feste Kontur. Ihrem Ursprung nach regeln die Rauhnächte die Fruchtbarkeit bei Mensch, Tier und Pflanzenwelt. Dazwischen liegen Tabuzonen, die übergeordneten Größen zugedacht sind und in denen keinesfalls gewisse Tätigkeiten vollzogen werden dürfen. Insofern hat sich also seit Altersher wenig geändert und beim Silvesterfeuerwerk, beim Bleigießen oder beim Ausräuchern an Dreikönig eröffnet sich erneut dieses Fenster der Beschwörung. Die Rauhnächte gehören also einem lebendigen Zeitrhythmus an, in dem der Mensch wesentlich darauf angewiesen ist, in Sorgfalt mit dem umzugehen, was ihn umgibt, ob Natur, Mensch oder die Zeit selbst.

Viechtwang: ein Bauernhaus, eine Einöde am Hang gelegen, umgeben von Obstbäumen, ansonsten dichte Wälder. Gustl, der Besitzer, wohnt nicht selbst dort, lebt in der Stadt und kommt auf Besuch, wenn Dinnes hier wohnt und arbeitet. Viechtwang ist ein Waldlerhaus und es ist geblieben was es ist - und das ist gut. Hier entsteht die Serie der Rauhnachtbilder, hier in der Abgeschiedenheit, wo sich Fuchs und Has´ "gut´ Nacht" sagen und hier stellt Dinnes auch die Bezüge her zum Eintauchen in eine Welt, die formiert ist nicht nur in der Kategorie der Maßstäbe des modischen. Dinnes wirft sich buchstäblich hinein in den Zeitenfluss, begibt sich in einen Sog, in dem alles treibt, sich gegenseitig umstrudelt und ab und an ausgespuckt wird. Diese Orte des Auftauchens an die Oberfläche definieren das einzelne Bild. Die Bezüge, die Dinnes dem Bild zuweist, ankern an dem Punkt, der ihren Anfang bestimmt. Ein Punkt ist ein Ort, ein Bild die Seele davon. Die Rauhnachtbilder sind nicht Abbilder der Geschichten, die sich um diese Nächte der Dämonen ranken, sie gesellen sich dazu, werden neu, wie sie immer wieder neu werden müssen, weil nichts stehen bleibt, weil alles wieder fortgestrudelt wird - ein Weltenschiff, das sich um und um kehrt, mal oben, mal unten.

Während der Viechtwanger Jahre entstehen ebenfalls die Werke die man als Marterln bezeichnen könnte, Denkbrücken zum Ausrasten im Weltenlauf. Sie verkörpern  eine Begebenheit, werden aber selbst zum Ereignis, halten der Strömung stand. Sie sind eine  Markierung, wie der Pfosten in der Wüste, wie die Boje im Meer.                        Jetzt nach fünfzehn Jahren holt Dinnes dieses damalige Geschehen und Werden  wieder an die Oberfläche, so wie man eine Glaskugel gegen das Licht vor die Augen hält und es dreht sich um und um, wie das Ringelspiel und dreht sich immer weiter.

 

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aktualisiert am 18.07.07   -   Prof. M. Dinnes   -   eMail: galerie (@) dinnes.net   -   © by Dinnes.net