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"HOMMAGE AN MOSTAR 1996 / 97" Ein 40-teiliger Zyklus, entstanden im Atelier in Mostar und in Regensburg
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Bild 13 |
Bild 14 |
Murad Effendi ( Franz von Werner): „Türkische Skizzen“ 1877
Nach
Zurücklegung von sechs Reitstunden trafen wir in Stolac ein. Das grünende
Tal von Stolac, ein reizendes Idyll in grauem Steinrahmen, mutete mich
an, wie den lechzenden Gaumen ein Trunk vom frischen Quell. Es
ist möglich, dass
der Gegensatz, welcher ja die Bedingung für jeden Genuss
und jede Schönheit ist, den freundlichen Anblick der Landschaft erhöht;
wie dem immer sei, er nahm mich damals gefangen, und die Erinnerung ist
auch heute noch nicht aus meinem Gedächtnis ausgelöscht. Die
gebirgige Herzegovina entbehrt im allgemeinen der pittoresken Konturen,
der gesättigten Färbung; ihre spärlichen Täler bekunden nirgends
ein frisch pulsierendes Naturleben, überall herrscht eine
monotone Kalkstein- Aufschichtung in schmutzig weißer Farbe vor; man
meint auf einem verwahrlosten Friedhof
der Natur zu wandeln. In der Tal- Oase von Stolac hatte ich zum erstemal
seit meiner Ankunft in der Herzegovina die Empfindung: hier ist es gut
weilen, und ich konnte der Wahl der Machthaber zu Mostar nur
beipflichten, die hier ihren Sommeraufenthalt zu nehmen pflegten. Das
Städtchen – es zählt ungefähr 3000 Einwohner – liegt in einem
engen Tal an dem klar dahin rieselnden Flüsschen Bregava. Die mitunter
recht freundlichen Häuser, deren rohen Steinbau eine hier reichlichere
Holzverwendung belebt, sind von Gärten umkränzt. Auf einem Felsen
erhebt sich malerisch die gut erhaltene Bergfeste. Mehr aber noch als
die glückliche Lage, die pittoreske Zeichnung des Hintergrundes, der üppige
Baumwuchs, entzückte mich der Hauch von ländlichem Frieden, der über
das Tal ausgebreitet lag.
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Die Kargheit des Bodens, der ständige Wind und geringe
Niederschlagsmengen veranlassten
die hier ansässigen Menschen zu besonderen Methoden des Ackerbaus.
Riesige
Gruben wurden aus dem Stein gebrochen und terrassenförmig angelegt. Aus
den Steinen wurden Mauern errichtet, die es dem Wind nicht mehr
erlaubten, die Erde fort zu tragen. In der eigentlichen Steingrube
konnten auf den einzelnen Terrassen die unterschiedlichsten
Pflanzensorten angebaut werden, nachdem diese mit Erde
angefüllt wurden. So entwickelte sich in diesen künstlichen
Dolinen ein Kleinklima. Zudem wurden diese Anlagen so ausgerichtet, dass
bei Regenfällen das abfließende Wasser samt der mitgeschwemmten Erde
zwangsläufig in diesen Dolinen enden musste.
Eine äußerst mühselige Arbeit, aber enorm funktionstüchtig.
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Bild 15 |
Bild 16 |
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Der
kleinste Stein noch birgt jegliche Antwort in sich, welche dein Fragen
umreißen könnte. Jeder
Halm, jegliches Geziefer – eine Meereswoge. Der kleinste Teil von Welt
birgt alle Antworten, weil er selbst Welt ist – weil er das Ganze in
sich trägt. Verborgen bleibt nur, von was du die Frage nicht zu
formulieren verstehst. Dann legst du achtlos den Stein beiseite, ohne
Bedauern zerquetscht die Blume unter deinem Fuß, eine Mücke stört –
die Woge flößt Angst ein. Antworten
sind filigrane Gebilde und die Richtung, aus der sie kommen, läßt sich
meist nur ahnen. Wir sind gewohnt, nur jenes anzufragen, welches
Antworten liefern könnte, die uns bekannt erscheinen – aus der
Geschichte, aus der Erinnerung. Erscheint uns eine Antwort unverständlich,
wird die Frage wiederholt und hinausgebrüllt. Erst breitet sich Leere
aus, wie bei einem Sog, der kurz bevorsteht. Schließlich kommen Gebilde
wie von einem Echo zurück, welche wir fälschlicherweise für Antworten
halten – dabei sind sie nichts anderes als
entstellte Fragen, gebrochen von tausend Graten – unverständlich.
An diesen Fragmenten ergötzen wir uns – glauben Antworten in Händen
zu halten. Dieser Vorgang wird immerzu wiederholt. Es entsteht etwas
"Drohend - Turmhaftes" - ein Rätselturm.
Dieser Turm birgt keine einzige echte Antwort, aber er ist mächtig,
weil an ihn geglaubt wird. Richtige
Antworten liegen derweil überall: In
jedem Stein, in jedem Blatt, in jedem Stern, der vom Himmel leuchtet... Manfred
G. Dinnes / Reisebuch: Pocitelj, Juli 1990
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aktualisiert am 31.08.05 von Prof. M. Dinnes - © by Dinnes.net |
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