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"HOMMAGE AN MOSTAR 1996 / 97"

Ein 40-teiliger Zyklus, entstanden im Atelier in Mostar und in Regensburg

 

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Milena Preindlsberger-Mrazovic

Notizen aus meinen Tagebüchern: Bosnisches Skizzenbuch 1909

 

Alljährlich strömen am Vorabend des siebenten Montag nach dem orientalisch-orthodoxen Sankt Georgstag dichte Scharen von Pilgern dort zusammen. Der Waldfriede sieht nun ein rasch pulsierendes Leben. Zelte, Laubhütten und Krämerbuden werden aufgeschlagen. Und wenn die Sonne zur Neige gegangen, flammen Hunderte von Lagerfeuern auf, die wogenden, farbensatten Gruppen mit ihren grellen Reflexen beleuchtend. Die Nacht bricht an, und der feierliche Ruf zum ersten Gebete, zur Jacija, erschallt. Die Gespräche ersterben in leisem Geflüster, die schmalen Gebetteppiche werden aufgerollt und in den Reihen der gegen Mekka sich wendenden Menschen hört man bloß das Rauschen der Gewänder beim Rikhat (den vorgeschriebenen Andachtsbewegungen) und unterdrückte Seufzer. Dann folgt eine Pause. Fremde Derwische in groben Filzmänteln, die hohe, lichte Filzmütze mit einem grünen Tuch Umwunden, bilden knieend einen Kreis. Um sie herum kauert eine dichte Menschenmasse. Nun schwebt ein feierlicher Chor auf in die lauschende Nacht: „La Allah hej il Allah...“ Taktmäßig bewegen sich die Oberkörper, Während die Hände auf den Knieen ruhen. Ein Ruf des Scheich, und der Chor bricht ab. Vibrierend setzt er nun ein: „Allah!“, und mit ihm wiederholt der Chor das Wort hundertemale, nach fünfzig Rufen immer um einen Ton höher springend und das Tempo beschleunigend. Wieder ein Zeichen, und ein neuer Anruf beginnt taktgemäß, und so folgt Ruf auf Ruf; nach Tausenden zählen schon die hervorgestoßenen Worte, und noch immer läßt der Scheich gleichmäßig die Perlen seines Rosenkranzes durch die Finger gleiten. Neben ihm steht ein Bübchen mit flatterndem Blondhaar und blickt mit großen Augen in die tosende Brandung hinein, in dieses Chaos von zuckenden Menschenleibern, dem sich an der Grenze des physisch  Möglichen statt der Rufe nur mehr ein gewaltsames Stöhnen, ein Heulen entringt

 

 

Das Derwischkloster in Blagaj an der Bunaquelle

Endlich das Zeichen zum Einhalt. Die todesblassen Gesichter mit den trockenen, zitternden Lippen und den geschlossenen Lidern sinken auf die keuchende Brust herab. Alles verharrt regungslos.

Da erhebt der Scheich von neuem seine Stimme zu einem Gebete. Es ist ein Recitativ in schwermütigen Mollfiguren, in jäh auflodernden Kadenzen, ein Singen, das alle Nervenfasern erzittern macht.

Als er geendet, erhebt er sich; mit ihm die Andern. Sie reichen einander zu einer Kette die Hände oder fassen einander bei den Schultern. Da ihrer zu viele sind, bilden sich mehrere Kreise.

Und wieder beginnt das Rufen. Die Beter werfen den Oberkörper nach vorne und rückwärts und bewegen sich dabei nach rechts im Kreise. Aus den anfänglich feierlichen Schritten werden Sprünge, die Rufe werden zu gellenden Schreien, zu Geröchel: „Allah hu!!!“...“Ja hu!“ wiederholt der Chorus, „hu-hu-hu-u!!...“

Die Turbantücher lösen sich, die Hemden werden auf der Brust mit einem Griff aufgerissen und weiter geht der wilde Reigen. Jetzt taumelt ein gelber Ägypter in die Mitte des Kreises, sich unaufhörlich mit ausgestreckten Händen drehend. Er reißt sich den Kaftan herunter und entblößt Arme und Brust. Und nun sticht der Fakir unter gellenden Rufen, unter Sprüngen und Drehungen ein langes Stilet sich durch Arme, Beine und Hals. Er bespickt sein Gesicht mit Nadeln und treit sich einen Handschar in den Leib, ohne das ein Blutstropfen seine weißen Gewänder färbt. Ein zweiter taumelt in den Kreis; ein Schaumstreifen tritt zwischen seine Lippen, sein Hemd klebt ihm am Leibe. Er schlägt sich mit der Schneide eines Messers auf die Brust, daß die Haut aufspringt und das rote Blut niederrieselt.

 

 

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Tritt nicht mit trüber Miene an mein Grab

Und lächle, wie ich stets gelächelt hab.

Bring einen Becher mit und eine Dirne,

Den Veilchenkranz um die geschminkte Stirne,

Und heiß sie tanzen, heiß sie Lieder singen

Und dreimal über meine Grabstatt springen.

Und sprenge Wein, wo man mein Haupt vermutet,

Und wo mein Hirn verwest, mein Herz verblutet

Persische Handschrift aus dem " Divan des Hafis"

Tanzende Derwische, anonymer Kupferstich von 1703

 

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aktualisiert am 31.08.05 von Prof. M. Dinnes    -   © by Dinnes.net