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Kirche St. Benedikt, Regensburg / Oberisling  (Neubau 1984)

Glasfenster und Altarwand

Entwurf und Ausführung (Wettbewerb 1. Preis): Manfred G. Dinnes

 

 

Große Altarwand (Höhe - 14 m, Breite - 8 m) in der Kirche St. Benedikt Regensburg/Oberisling

 

 
Dr. Friedrich Fuchs       (Auszüge aus "Schnell, Kunstführer Nr.2318, ISBN 3-7954-6090-5)

"...Wie in einem Sog zielt der gesamte Raum auf die Ostwand mit ihrem riesigen Gemälde, umstrahlt von sprühendem Licht aus verborgener Quelle. Über die gesamte Raumhöhe steigt hier frei vor dem rückwärtigen Lichtspalt eine Wandstele auf. Ein bugartiger Flachwinkel gibt ihr sicheren Stand und so kann sie unsichtbar ein gut Teil der Dachlasten aufnehmen, unsichtbar, weil das Auge dieses Wandfeld nicht als Stütze, sondern vielmehr als monumentales Altarbild empfindet. Es ist ein Werk des Regensburger Künstlers Prof. Manfred G. Dinnes. Das Gemälde strahlt große Ruhe aus, gleichzeitig aber lockt es zum Aufbruch. Wie durch ein Schlüsselloch gewährt es Einblick in eine andere Welt. Wir erkennen große Torbögen, Bäume und Flüsse, Engel und ein großes schauendes Gesicht, auch einige Symbole. Die Dinge überlagern und durchdringen sich jedoch in einem unergründlichen Raum, als wäre alles bloß Lichterscheinung. Obwohl wir beim Betrachten die vertraute Wirklichkeit hinter uns lassen, fühlen wir uns in jener anderen Sphäre sogleich geborgen. Der Wohlklang aus Formen und Farben erzeugt ein Traumbild überirdischen Seins, eine Vision der ewigen Heimat jenseits von Raum und Zeit. In der Geheimen Offenbarung, dem letzten Buch des Neuen Testaments, wird diese ewige Heimat als prachtvolle Gottesstadt in der Nachfolge des irdischen Jerusalem beschrieben. Dies ist auch das Thema des Gemäldes. In eine moderne, phantasievolle Bildsprache gekleidet, wird uns eine visionäre Schau von diesem Himmlischen Jerusalem gegeben. Mit goldenem Zollstock ist diese Stadt gebaut, sie besitzt zwölf große, stets offene Tore, zwölf Engel stehen auf den Mauern und diese sind wie aus Gold und klarem Glas. Reines Licht ergießt sich aus ihrer Mitte, wo das Lamm Gottes wohnt von Anbeginn bis auf ewig, wo kristallene Wasser entspringen und ein allzeit fruchtbarer Baum. Die Siebenzahl der Leuchter ist ein vieldeutiges Symbol, allem voran ist sie seit Urzeiten Ausdruck für höchste Vollkommenheit, Zeichen für die innige Verbindung von Himmel und Erde. Das schauende Gesicht im Gemälde überlässt seine Deutung uns selbst. Meint es Johannes, den Verfasser der Geheimen Offenbarung bei der der Vision der himmlischen Gottesstadt oder den Engel, der ihm diese Vision kundtut. Oder meint es gar uns Menschen, die wir schauend das Himmlische Jerusalem erahnen und uns dot als Beheimatete wiedererkennen. Von der Glückseligkeit jenes Ortes spricht auch die lateinische Inschrift im Gemälde. Es sind Worte des großen Kirchenlehrers Augustinus:

 "IBI VACABIMUS ET VIDEBIMUS                                                                                                                  VIDEBIMUS ET AMABIMUS                                                                                                                        AMABIMUS ET LAUDABIMUS                                                                                                                                                           IN FINE SINE FINE"                                                                                     

 

 

 

Das mächtige Westfenster von St. Benedikt (Höhe: 8 m, Breite: 4m) mit der Darstellung der Apokalypse aus der Geheimen Offenbarung des Johannes

 

...Seitwärts und an der Westfront öffnen sich die Wände dem Licht in großen, farbigen Glasgemälden, gleichfalls Werke von Prof. Manfred G. Dinnes. Als ein deutlicher Gegenpol zur Stille und Warmtonigkeit des Altarbildes erscheint im großen Westfenster eine turbulente Szenerie in kraftvollen Farben, auch dies ein Bild von der letzten Welt, dem wilden Endkampf aller Kreatur. Im Himmlischen Jerusalem ist jedoch alles auf ewig befriedet. Als Zeugen des göttlichen Heilsplans treten in den Farbfenstern der Längswände Heilige auf, an der Nordseite St. Georg, Emmeram, Elisabeth, Franziskus und Maximilian Kolbe, südlich das Geschwisterpaar St. Benedikt und Scholastika. Sie ist vollends auf ihn bezogen, er steht im schlichten Abtsgewand wie in sich selbst ruhend da. Die Gestalt ist, wie auch die der übrigen Heiligen, durchaus wirklichkeitsnah gezeichnet, zugleich sind aber sämtliche Flächen kristallartig zergliedert, eine Anspielung auf die gläserne Beschaffenheit dieser Bilder, sicher aber auch ein Kunstgriff zur Charakterisierung der Dargestellten als Heilige.

 

St. Benedikt

HL. Scholastika

St. Emmeram

St. Georg

       

Mein persönlicher Dank gilt an dieser Stelle dem langjährigen Pfarrer Georg Frank. Er, als Initiator und Förderer des Kirchenbaus von St. Benedikt lieferte unermüdlich aus theologischer Sicht die Bausteine zum Gelingen der künstlerischen Vollendung dieses Kirchenbaus.

Prof. Manfred G. Dinnes

 

Alle Seitenfenster von St. Benedikt sind ca. 4,50 m hoch und 1,50 m breit, ausser St. Emmeram. Dieses Fenster hat eine Höhe von 3,00 m

HL. Maximilian Kolbe

HL. Elisabeth

HL. Franziskus

 
 

Vom Licht durchströmt sprüht aus ihnen flimmernde Bewegungskraft und pulsierendes Leben. Es erfüllt die Heiligengestalten, ihre nahe Umgebung und im Zusammenwirken aller Fenster den ganzen Raum. St. Benedikt ist eine gelungene moderne Kirche. Mit ihrer tiefen Symbolik, der Zwiesprache von Architektur, Bildern und Licht steht sie in bester Tradition christlicher Baukunst.

Dr. Friedrich Fuchs, Regensburg 1998 

 

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aktualisiert am 31.08.05 von Prof. M. Dinnes    -   © by Dinnes.net