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"In der Mitte von Nirgendwo"

   eine Foto- und Textdokumentation aus den Jahren  des Kriegsgeschehens            1994  - 1996  in Bosnien - Herzegovina ( Mostar, Bihac, Sarajevo )            

entstanden während der Einsätze als Vorstandsmitglied der humanitären Organisation "BRÜCKEN - für Humanität, Kultur, Toleranz und Dialog e. V."

 

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Im Oktober 1994 sind wir wieder in Mostar. Eigentlich müsste sich die Dunkelheit verhüllend über die zerstörte Stadt legen, aber der Vollmond scheint silberhell und sein Licht versetzt das Ruinenfeld in eine irreale Kulisse, menschenleer, denn längst ist Sperrstunde, d.h. die EU hat ein Ausgangsverbot verhängt, wegen der bewaffneten Auseinandersetzungen die nachts ständig irgendwo aufflammen. Panzerspähwägen der IFOR- Truppen patrouillieren und es ist das einzige Geräusch, das zu hören ist. Fuad zerrt uns schnell in sein Haus, das er notdürftig wieder instand gesetzt hat.
 

 

 

Am nächsten Morgen sind wir mit Hans Koschnick verabredet im Hotel ERO, in welchem die EU- Administration residiert. Das Hotel ERO liegt im Westteil der Stadt. Wir passieren einen Kontrollpunkt der von der HVO- Armee eingerichtet wurde, also jener Kroaten, welche die selbsternannte Republik „Herzeg Bosna“ ausriefen. Dieser Kontrollpunkt wird wiederum von UNPROVOR- Soldaten kontrolliert. Jemand aus Ost- Mostar kann hier nicht durch. Wir gelangen in die Hotelhalle des ERO und denken, wir seien auf einem Maskenball. Dutzende von verschiedenartigst Uniformierten, Generäle mit ihrem Stab, martialisch bis ins Detail, Gesundheitsbehörden strahlend weiß, alle mit obskuren Schildchen und Abkürzungen versehen rennen geschäftig hin und her. So für mich denke ich: die haben den Hans Koschnick in die Wüste geschickt. Erst am 10. September schickten kroatische Extremisten eine Panzerfaust in sein Schlafzimmer. Koschnick war aber wo anders. Halbherzig und unter Druck recherchiert die kroatische Polizei - die Hintermänner bleiben unbehelligt. Halbherzigkeit auch von Europa: Die versprochenen Polizeikontingente sind nicht eingetroffen, die in Brüssel getroffenen Abmachungen werden nicht eingehalten. Die Situation ist ähnlich wie die Schutzzonenregelung in Srebrenica, Zepa oder Gorazde.

 

 

Ergebnisse monatelanger Belagerung und unaufhörlichen Bombardements hinterlassen nichts als unwirtliche Ruinenfelder, in deren Kellern nach wie vor Tausende von Menschen leben müssen. In solchen Kellern wird von Ärzteteams operiert, die mit umgeschnalltem Medizintornister unterwegs sind und sich von Häuserblock zu Häuserblock durchschlagen, während das Granatenfeuer  sie begleitet. Viele Ärzte verlieren ihr Leben. Heckenschützen lauern überall. Aus riesigen Lautsprechern dröhnt nachts unaufhörlich lauteste Musik, welche die Menschen nicht schlafen lässt. „Wochenendkrieger“ reisen per Bus aus allen europäischen Ländern an, sitzen an ihren Mörsern, die wie im Takt Granate um Granate in die Stadt feuern. Am Sonntag reisen sie wieder ab. Mostar ist ein Schlachthaus
 

 

 

 

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aktualisiert am 12.09.08 von Prof. M. Dinnes    -   © by Dinnes.net