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"In der Mitte von Nirgendwo" eine Foto- und Textdokumentation aus den Jahren des Kriegsgeschehens 1994 - 1996 in Bosnien - Herzegovina ( Mostar, Bihac, Sarajevo ) entstanden während der Einsätze als Vorstandsmitglied der humanitären Organisation "BRÜCKEN - für Humanität, Kultur, Toleranz und Dialog e. V."
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Dann stehe ich vor dem, was
einstmals die weltberühmte Brücke über die Neretva war. 1566 von
Baumeister Hayruddin vollendet, sollte sie ein Abbild der moslemischen
Vorstellung der Paradiesbrücke „Sirat“ sein. Beidseitig des Flusses
ragen noch die Pfeilertürme empor. Dort, wo sich einst in einem kühnen
Bogen von 30 Metern zusammengefügter Stein über die Neretva spannte,
führt heute eine primitive Hängebrückenkonstruktion beide Ufer
zusammen. Die ehrwürdige Brücke von Mostar, die „Stari Most“
stürzte nach einer grauenvollen Bombardierung in die Neretva, begleitet vom
Jubel und Freudenschüssen auf kroatischer
Seite. Im Taumel des Wahnsinns begründete man die Tat damit, das über
diese Brücke schwere Waffen auf die andere
Seite des Flusses gebracht würden.
Wahr ist vielmehr, das man die andere Seite
des Flusses, die auch zu Ostmostar gehört,
völlig von der Trinkwasserversorgung
abschneiden wollte. Erst 1996 begannen ungarische Einheiten der SFOR in
vielen Tauchgängen die Brückenteile zu
bergen.
In einem notdürftig zusammengenageltem Cafe, dem „Cafe Bosna“ treffen wir einige Bewohner. Ausgemergelte Männer, schmal, unterernährt. Sie können es fast nicht glauben, dass Menschen von „Draußen“ zu ihnen kommen. Zu lange lebten sie in der Isolation, zu lange hatte man sie vergessen, oder noch schlimmer, - als hätte es sie nie gegeben. Immer wieder müssen sie Details ihres Erlebens erzählen. Draußen, vor dem Cafe herrscht absolute Stille, keine Menschen, kein Auto. Viele Menschen trauen sich noch immer nicht aus ihren Kellern. Zwischenzeitlich haben wir auch Fuad kennen gelernt, der radebrechend deutsch spricht. Wir sind die einzigen Ausländer, die sich hierher verirren, bewusst hierher verirren, denn wir sind auch auf der Suche nach Mitarbeitern, nach Gewährsleuten, die unsere Sache hier in Mostar fortführen. Unsere Zielsetzung bedeutet nicht ein „von oben nach unten“, sondern im Miteinander wollen wir beim Aufbau helfen. Angesichts des Trümmerfeldes, in dem wir stehen, mag das aussichtslos erscheinen, aber genau das haben wir vor, genau das werden wir tun.
Wir wohnen der
Einsetzungsfeierlichkeit bei, mit der Hans Koschnick offiziell sein Amt
als EU- Administrator von Mostar antritt. Ein feierliches Spektakel
zwischen Ruinen. Alija Izetbegovich ist hier, Haris Silaidzic, auch
Franjo Tudjman, der letztendlich die Zerstörung von Mostar auf seine
Kappe nehmen muss. Auch der deutsche Außenminister Klaus Kinkel ist
anwesend und plötzlich befinden wir uns mitten in der Zeremonie.
Draußen steht die Menschenmenge: Mütter, die nach ihren vermissten
Söhnen schreien, Männer, die vom Krieg gezeichnet sind, Invaliden,
eine geschundene Bevölkerung und einige verängstigte Kamerateams
europäischer Fernsehanstalten. Zwei Tage zuvor
wurde ein Containerdorf von Cap Anamour von serbischer Seite zerstört.
aktualisiert am 31.08.05 von Prof. M. Dinnes - © by Dinnes.net |
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