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              PROJEKT:"KAIROS"              

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Tafel 15

Versuch einer kulturhistorischen Adaption

Eine Tontafel, mit einem Text in Ugarit (Keilschrift) aus dem 1700 Jhdt. vor unserer Zeitrechnung. Sie befindet sich im Museum von Aleppo.

 

 

  Das älteste Alphabet stammt aus dem syrischen Raum um 1700 vor unserer Zeitrechnung. Diese Keilschrift – Ugarit – ist Vorbild nahezu aller sich später entwickelnden Alphabete.

 

 

 

"Wer nicht von dreitausend Jahren

Weiß, sich Rechenschaft zu geben

Bleib´ im Grunde unerfahren

Mag von Tag zu Tage leben"

Johann Wolfgang von Goethe: "Der West - Oestliche Divan"

 

 

Conception, idea and realisation by Dr. Nadim Sradj and Prof. Manfred G. Dinnes  -  © Copyright by Sradj / Dinnes 2002

 

Thema: Wahrnehmung und Falschnehmung von Raum und Zeit

(Wissenschaft und Kunst in der Interaktion und Kooperation)

 

A: Position der Wissenschaft (Sradj)                                                                                           

 Wissenschaftliche Basis: Physiologische und pathologische Optik (Ophthalmologie)

  1. Ausgangspunkt: Visuelle Wahrnehmung und Falschnehmung von Raum und Zeit

  2. Sinnesphysiologische Theorie: Sehdinge sind im allgemeinen Zeichen und Symbole (Helmholtz, Mach, Wund und andere), die als prinzipiell messbar gelten.

  3. Falschnehmung: Patienten mit Maculadegeneration leiden unter Wahrnehmungsanomalien i.S. von Gestaltdeformationen, die unvorstellbar und prinzipiell nicht messbar sind (sie entsprechen einem meta-euklidischen Raumerlebnis) (vgl. Bilder)

  4. Normalität visueller Perzeptionen ereignet sich im euklidischen Raum, der die einfachste und unmittelbarste Form darstellt. Hyperbolische und sphärische Raumstrukturen sind die schwachen Abweichungen des euklidischen Raums. Versuch Dalis, die Grenzen durch die Darstellung seiner sog. „weichen Uhren“ (1930) zu überwinden.

  5. Normalität des Bewegungssehens (Kinästhesie) erfolgt durch die Okulo- und Zephalomotorik (Augenmuskel- und Kopfbewegungen). Grundlage der Kinästhesie, d.h. der Bewegungsempfindung, ist die Körpermitte, messbar in der kinetischen Zeit und im dreidimensionalen Raum (s. Grafik  „Raum- und Zeitarten“).

  6. Scheinbewegungen treten bei physiologischem und pathologischem Nystagmus sowie bei Maculadegeneration auf. Die Fehleinschätzung der Zeit findet notwendigerweise im pathologischen Raum statt.

  7. Anwendung der Raumtheorie in der Malerei: Axiomatische Kunst am Beispiel der Transformation der Westfassade des Regensburger Doms.

  8. Anwendung der Zeittheorie in der Malerei: Entwicklung neuer Zeitbilder und neuer Formen der polyaxialen Chronometrie.  Hierbei erweitert sich der Zeitbegriff von der Kinästhesie (äußere Zeit) zur Metabolästhesie (innere Zeit), d.h. vom Wechsel des Ortes zum Wandel bzw. Umschlag der Form, von der quantitativen zur qualitativen Zeit. 

  9. Raum und Zeit in der Interaktion – Begriff und Bild Darstellung der Zeitbilder (Themen der Zeit: Marcuse „Der eindimensionale Mensch“, Hegel, Fukuyama: „Ende der Geschichte“, „Achse des Bösen“ und andere; bisher 6 Bilder)

  10. Ergebnis: Das Weltbild wird von der jeweiligen wissenschaftlichen Weltauffassung mitgeprägt. Hierbei wird die Grenze allgemein als Linie und Barriere nicht nur gebogen, sondern - entsprechend der fraktalen Geometrie und der Raum-Zeit-Pathologie - gebrochen, wodurch neue Gestalten entstehen. Die Wahrnehmungspathologie widerlegt die Hypothese Galileis: man muss alles messen, was messbar ist, und messbar machen, was nicht messbar ist.

  11. Das Bewusstsein wird von einer Raum-Zeit-Struktur konstruiert. Seine Achse determiniert die Entscheidung darüber, was wahr und was falsch ist.

 

Thema: Wahrnehmung und Falschnehmung von Raum und Zeit

(Wissenschaft und Kunst in der Interaktion und Kooperation)

 

B: Position der Kunst (Prof. Manfred G. Dinnes)

 

KÜNSTLERISCHE BASIS: DAS ANGEBOT DER WAHRNEHMBARKEIT ALS INFORMATION UND NACHRICHT. DAS BILD DES MÖGLICHEN STELLT SICH DER TATSÄCHLICKEIT ZUR SEITE ALS KORRELAT ZUR BEGRIFFSBILDUNG.

 

  1. Ausgangspunkt: Permanente Wechselwirkung des Verhältnisses von Vorstellung und Wahrnehmung. Widerspruch von physikalischer Wirklichkeit und psychischer Wirkung. Das Kunstwerk selbst als Methode des Erkennens.                                           

  1. Die Disziplin des „Schöpferischen Prozessierens“ (Kunst) als Ausdruck von „Nicht- Messbarkeit“, respektive jeweiliger „Noch – Nicht - Messbarkeit“ im geschichtlichen Werden des Menschen und seinem Bild von Welt.

 

  1. Zivilisationsgeschichtliche orthogonale Ordnungen als Entwicklung von Wahrnehmungsstrukturen und -Tendenzen. (Kulturelle Entwicklungen formen die Wahrnehmung. Verlust der persönlichen Entscheidung und des Urteils). Das Kunstwollen als Synthese zwischen der Wirklichkeit von Welt und der Wirklichkeit von Ich als Erfahren und Erkennen des „Inneren“ und des „Äußeren“.

 

  1. „Richtig – Wahrnehmung“ und „Falsch – Wahrnehmung“: Die Sinnestätigkeit alleine führt nicht zur Wahrnehmung. Die Anschauung  ihrerseits beinhaltet eine Fehlregistrierung oder den Trugschluss.

 

  1. Raum und Zeit als Bildmoment im Kunstwerk. Kunstschaffen als kürzeste Distanz von Wollen zur Handlung. Der „Bild – Raum“ als Träger der Bild - Idee. Das Thema: Der Sturz von Vergangenheit und Zukünftigem im Bild als Möglichkeit. Die Brechung der Wahrnehmungsgewohnheit. Synästhesie, Erfahrung und Erkenntnis, als Katalysator zum Kunstwollen.

 

  1. Kunst als Transskription und somit Orientierung. Schöpferische Energie als Transportmittel von Idee. Die Wirklichkeit weicht der Möglichkeit, die durch das Kunstwerk voraussehbar wird.

 

Literatur: Edmund Husserl, Karl Jaspers, Dieter Jähnig, Erwin Panofsky, Alois Riegl,  Kurt Badt, Erwin Schrödinger, Rudolph Arnheim, Robert Delaunay, Josef Albers, Paul Klee,  Umberto Ecco, Anton Ehrenfels, Friederich v. Schiller, G. W. Leibnitz                                   

                

                    

 

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aktualisiert am 12.09.08 von Prof. M. Dinnes    -   © by Dinnes.net