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"Wer nicht von dreitausend Jahren
Weiß, sich Rechenschaft zu geben
Bleib´ im Grunde unerfahren
Mag von Tag zu Tage leben"
Johann Wolfgang von Goethe:
"Der West - Oestliche Divan" |
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Thema:
Wahrnehmung und Falschnehmung von Raum und Zeit
(Wissenschaft
und Kunst in der Interaktion und Kooperation)
A: Position der Wissenschaft (Sradj)
Wissenschaftliche
Basis: Physiologische und pathologische Optik (Ophthalmologie)
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Ausgangspunkt: Visuelle Wahrnehmung und Falschnehmung von Raum und
Zeit
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Sinnesphysiologische Theorie: Sehdinge sind im allgemeinen Zeichen
und Symbole (Helmholtz, Mach, Wund und andere), die als
prinzipiell messbar gelten.
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Falschnehmung: Patienten mit Maculadegeneration leiden unter
Wahrnehmungsanomalien i.S. von Gestaltdeformationen, die
unvorstellbar und prinzipiell nicht messbar sind (sie
entsprechen einem meta-euklidischen Raumerlebnis) (vgl.
Bilder)
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Normalität visueller Perzeptionen ereignet sich im euklidischen
Raum, der die einfachste und unmittelbarste Form darstellt.
Hyperbolische und sphärische Raumstrukturen sind die
schwachen Abweichungen des euklidischen Raums. Versuch Dalis,
die Grenzen durch die Darstellung seiner sog. „weichen
Uhren“ (1930) zu überwinden.
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Normalität des Bewegungssehens (Kinästhesie) erfolgt durch die
Okulo- und Zephalomotorik (Augenmuskel- und Kopfbewegungen).
Grundlage der Kinästhesie, d.h. der Bewegungsempfindung, ist
die Körpermitte, messbar in der kinetischen Zeit und im
dreidimensionalen Raum (s. Grafik
„Raum- und Zeitarten“).
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Scheinbewegungen treten bei physiologischem und pathologischem
Nystagmus sowie bei Maculadegeneration auf. Die Fehleinschätzung
der Zeit findet notwendigerweise im pathologischen Raum statt.
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Anwendung der Raumtheorie in der Malerei: Axiomatische Kunst am
Beispiel der Transformation der Westfassade des Regensburger
Doms.
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Anwendung der Zeittheorie in der Malerei: Entwicklung neuer
Zeitbilder und neuer Formen der polyaxialen Chronometrie.
Hierbei erweitert sich der Zeitbegriff von der Kinästhesie
(äußere Zeit) zur Metabolästhesie (innere Zeit), d.h. vom
Wechsel des Ortes zum Wandel bzw. Umschlag der Form, von der
quantitativen zur qualitativen Zeit.
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Raum und Zeit in der Interaktion – Begriff und Bild Darstellung
der Zeitbilder (Themen der Zeit: Marcuse „Der
eindimensionale Mensch“, Hegel, Fukuyama: „Ende der
Geschichte“, „Achse des Bösen“ und andere; bisher 6
Bilder)
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Ergebnis: Das Weltbild wird von der jeweiligen wissenschaftlichen
Weltauffassung mitgeprägt. Hierbei wird die Grenze allgemein
als Linie und Barriere nicht nur gebogen, sondern -
entsprechend der fraktalen Geometrie und der
Raum-Zeit-Pathologie - gebrochen, wodurch neue Gestalten
entstehen. Die Wahrnehmungspathologie widerlegt die Hypothese
Galileis: man muss alles messen, was messbar ist, und messbar
machen, was nicht messbar ist.
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Das Bewusstsein wird von einer Raum-Zeit-Struktur konstruiert.
Seine Achse determiniert die Entscheidung darüber, was wahr
und was falsch ist.
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Thema:
Wahrnehmung und Falschnehmung von Raum und Zeit
(Wissenschaft
und Kunst in der Interaktion und Kooperation)
B:
Position der Kunst (Prof. Manfred G. Dinnes)
KÜNSTLERISCHE
BASIS:
DAS ANGEBOT DER WAHRNEHMBARKEIT ALS INFORMATION UND NACHRICHT. DAS
BILD DES MÖGLICHEN STELLT SICH DER TATSÄCHLICKEIT ZUR SEITE ALS
KORRELAT ZUR BEGRIFFSBILDUNG.
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Ausgangspunkt:
Permanente Wechselwirkung des Verhältnisses von Vorstellung
und Wahrnehmung. Widerspruch von physikalischer Wirklichkeit
und psychischer Wirkung. Das Kunstwerk selbst als Methode des
Erkennens.
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Die
Disziplin des „Schöpferischen Prozessierens“ (Kunst) als
Ausdruck von „Nicht- Messbarkeit“, respektive jeweiliger
„Noch – Nicht - Messbarkeit“ im geschichtlichen Werden
des Menschen und seinem Bild von Welt.
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Zivilisationsgeschichtliche
orthogonale Ordnungen als Entwicklung von
Wahrnehmungsstrukturen und -Tendenzen. (Kulturelle
Entwicklungen formen die Wahrnehmung. Verlust der persönlichen
Entscheidung und des Urteils). Das Kunstwollen als Synthese zwischen der Wirklichkeit von
Welt und der Wirklichkeit von Ich als Erfahren und Erkennen
des „Inneren“ und des „Äußeren“.
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„Richtig
– Wahrnehmung“ und „Falsch – Wahrnehmung“: Die
Sinnestätigkeit alleine führt nicht zur Wahrnehmung. Die
Anschauung ihrerseits
beinhaltet eine Fehlregistrierung oder den Trugschluss.
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Raum
und Zeit als Bildmoment im Kunstwerk. Kunstschaffen als kürzeste
Distanz von Wollen zur Handlung. Der „Bild – Raum“ als
Träger der Bild - Idee. Das Thema: Der Sturz von
Vergangenheit und Zukünftigem im Bild als Möglichkeit. Die
Brechung der Wahrnehmungsgewohnheit. Synästhesie, Erfahrung
und Erkenntnis, als Katalysator zum Kunstwollen.
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Kunst
als Transskription und somit Orientierung. Schöpferische
Energie als Transportmittel von Idee. Die Wirklichkeit weicht
der Möglichkeit, die durch das Kunstwerk voraussehbar wird.
Literatur: Edmund Husserl, Karl Jaspers, Dieter Jähnig,
Erwin Panofsky, Alois Riegl,
Kurt Badt, Erwin
Schrödinger, Rudolph Arnheim, Robert Delaunay, Josef Albers, Paul
Klee, Umberto Ecco, Anton Ehrenfels, Friederich v. Schiller, G. W.
Leibnitz
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